Checkliste: Gut gerüstet für Gespräche mit Nachlass-Interessierten

Checkliste:

Gut gerüstet für Gespräche mit Nachlass-Interessierten

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Das persönliche Gespräch ist von zentraler Bedeutung im Nachlassfundraising.
Darin lernen wir das Gegenüber und seine Beweggründe kennen.
Fragen werden geklärt, Vertrauen gestärkt, Informationen vermittelt und eine zwischenmenschliche Beziehung wächst.

Die folgende Checkliste soll Dir die Vorbereitung auf solche Gespräche erleichtern.

  1. Biete persönliche Besuche und Gespräche an:
    • Im Anschreiben zur Testamentsbroschüre
    • Bei Nachlass-Vorträgen
    • Bei Telefonaten und persönlichen Kontakten
  2. Recherchiere in der Datenbank:
    • Wohnort, Alter, Spendenhistorie, bevorzugte Spendenzwecke, Dauer der Spenderbeziehung, Kontakthistorie, Teilnahme an Vorträgen und Veranstaltungen, Anforderung von Broschüren
    • Informiere Dich zudem im Internet
  3. Kläre möglichst zuvor telefonisch:
    • Was könnte er oder sie von Dir erwarten? Welche Gesprächsanliegen gibt es?
    • Wie ist die familiäre Situation?
    • Nennt er oder sie bereits Anhaltspunkte zu seiner oder ihrer Vermögenssituation?
  4. Bereite Dich darauf vor:
    • kurz über Deine Organisation zu berichten
    • Auskunft zu geben, was Deine Organisation leisten kann (z.B. Grabpflege)
    • über Projekte und den Einsatz von Mitteln aus Nachlässen zu informieren
  1. Sei ein*e aufmerksame*r Gesprächspartner*in
    • Bleib locker und versuche zunächst mit ihr oder ihm „warm zu werden“
    • Höre aktiv zu und gehe auf den oder die Gesprächspartner*in ein
    • Sprich über den Einsatz von Mitteln aus Nachlässen mit anschaulichen Beispielen. Erläutere die Vorteile eines zweckfreien Nachlasses
    • Beantworte Fragen so klar wie möglich, biete Service an
    • Vermittele passende Fachanwälte für Erbrecht zwecks Testamentserstellung
    • Sag nur zu, was Deine Organisation mit Sicherheit halten kann
    • Mache Dir stichwortartige Notizen
    • Triff konkrete Verabredungen für das weitere Vorgehen
  2. Bereite das Gespräch nach:
    • Danke für das Gespräch
    • Nutze die Kommunikationskanäle, die der oder die Spender*in bevorzugt
    • Sende evtl. gewünschte Informationen rasch zu
    • Lege fest, in welche Betreuungsmaßnahmen der- oder diejenige einbezogen werden soll (z.B. regelmäßige Zusendung des Jahresberichts, Einladung zu Veranstaltungen, Festtagskarten, Mailings) und wann Du ggf. noch einmal nachfasst

Testamente: Mit gutem Rat zur guten Tat

Testamente: Mit gutem Rat zur guten Tat

Interview mit Dr. Cornelia Rump, Fachanwältin für Erbrecht

Interview mit Dr. Cornelia Rump, Fachanwältin für Erbrecht

Gespräche sind auch in der Arbeit von Dr. Cornelia Rump zentral. Denn sie spricht mit Menschen, die ihren Nachlass regeln möchten. Deshalb haben wir sie sogleich interviewt. Sie verrät uns, warum gemeinnützige Organisationen erben, welcher Service vom Anwalt und von der Organisation erwartet wird und was wir noch besser machen können.

Sie halten Vorträge zur Testamentsgestaltung für Vereine und Stiftungen. Und Sie haben schon viele Testamente entworfen, in denen gemeinnützige Organisationen bedacht sind. Was sind typische Beweggründe dafür?

Meine Erfahrung ist, dass es vier Personengruppen gibt, die sich so entscheiden: Zur ersten zählen engagierte Menschen, die ihre Lieben bedenken und gleichzeitig ihr Engagement weiterführen möchten. Eine andere Gruppe sind Alleinstehende, die niemanden haben, an den sie vererben können oder wollen. Dann gibt es Frauen und Männer, die in der Regel kinderlos sind und ihre Angehörigen versorgt wissen möchten. Gemeinnützige Organisationen werden manchmal auch bedacht, um gezielt die gesetzlichen Erben (z.B. zerstrittene Geschwister) zu enterben. Allen gemeinsam ist es sehr wichtig, dass alles gut geregelt ist.

Gibt es bestimmte Mentalitäten gemeinnütziger Erblasser?

Ja. Zum einen gibt es die Aktiven, die sich selbst informiert haben und nun mit anwaltlichem Rat letzte Fragen klären oder ihren eigenen Testamentsentwurf finalisieren möchten. Zum anderen sind es Menschen, die sich Angebote mit Basisinformationen und eine Begleitung „Schritt für Schritt“ wünschen. Manche streben danach, vorgesorgt zu haben, die Abwicklung des Nachlasses streitfrei und in guten Händen zu wissen und vielleicht auch Tiere oder Angehörige durch eine Rentenzahlung etc. versorgt zu wissen. Wieder andere springen auf Anstöße an, z.B. einen Artikel in den Spenderzeitschriften. Sie nehmen dann Kontakt auf, weil sie unkompliziert eine Erstinformation wünschen.

Was sollten gemeinnützige Organisation noch besser machen, um Nachlässe zu erhalten?

Ganz wichtig ist: Sie sollten deutlich zeigen, dass sie einen*eine Ansprechpartner*in dafür haben, und ihn*sie mit den Kontaktdaten nennen. Die Person sollte kompetent, gut erreichbar und effektiv organisiert sein. Ich erlebe leider immer wieder, dass die personellen und finanziellen Ressourcen bei den Organisationen der Nachfrage nicht gerecht werden. Die Bereitschaft zu gemeinnützigen Testamentsbegünstigungen ist sehr groß und wächst stetig. Die Menschen wünschen sich Ansprechpartner und scheuen häufig den direkten Weg zum Anwalt oder Notar vor Ort.

Zur eigenen Entlastung und zur Umsetzung von Testierwünschen brauchen gemeinnützige Organisationen außerdem Kontakte zu Juristen, die menschlich zu den Spendern passen, die die Möglichkeiten und Grenzen gemeinnütziger Organisationen bei der Nachlassabwicklung kennen und idealerweise auch Erfahrungen mit effektiven Beratungsstrukturen haben. Denn testierwillige Spender – gerade auch die vermögenden Menschen – wünschen sich unkomplizierte und schlanke juristische Beratungsangebote. Viele Spender sind mit einer telefonischen juristischen Beratung sehr glücklich. Einen guten Außenauftritt bieten auch Vorträge – sei es vor Ort oder online – sowie gut verständliches, knappes Infomaterial.

Wer den eigenen Service verbessert und strukturiert arbeitet, ist gut beraten. So kann eine kurze schriftliche Information besser ankommen, als eine umfangreiche Broschüre. Folgen kann ein schlanker Ordner, in dem alle relevanten Dokumente aufbewahrt werden. Auch die Empfehlung, ein privatschriftliches Testament beim zuständigen Amtsgericht zu hinterlegen, ist guter Service.

Das Interview führte Monika Willich

Frau Dr. Cornelia Rump ist Fachanwältin für Erbrecht. Ihr Tätigkeitsschwerpunkt ist Testamentsgestaltung und gemeinnütziges Vererben. Sie arbeitet mit verschiedenen gemeinnützigen Organisationen laufend zusammen und ist in der Fundraiser-Fortbildung aktiv. Sie erreichen Frau Dr. Rump telefonisch unter 04102 – 69 13 500. Weitere Informationen finden Sie ab dem 1. Oktober 2020 unter www.rump-erbrecht.de.

Erbrechts-Quiz: Hättest Du‘s gewusst?

Erbrechts-Quiz

Hättest Du‘s gewusst?

Im Interview mit Dr. Cornelia Rump heißt es, der oder die Erbschaftsfundraiser*in „sollte kompetent, gut erreichbar und effektiv organisiert sein“. Zur Kompetenz zählen auch Grundkenntnisse im Erbrecht. Bist Du fit darin? Teste Dein Wissen ganz einfach hier. Und wenn Du Dein Knowhow vertiefen oder auffrischen willst, gibt‘s Fortbildungen, z.B. an der Fundraising-Akademie oder ganz aktuell auch bei uns: Nachlass-Seminare für Einsteiger und Fortgeschrittene. Zum Nachlesen empfehlen wir Dir den kostenfreien Download „Erbrecht verständlich“, erhältlich unter www.erbrecht.de.


Für Einsteiger: Erbrechts-Quiz #1

Frage #1
Hubert P. hat seinen Sohn zum Alleinerben bestimmt. Das Erbe beträgt rund
100.000 €. Deinem Verein hat er ein Vermächtnis von 5.000 € hinterlassen.
Muss der Sohn Euch das Vermächtnis auszahlen?

A Nein
B Ja

Frage #2
Ursula N. überlegt, wo sie ihr handschriftliches Testament aufbewahren soll.
Kann sie es beim Amtsgericht hinterlegen?

A Ja
B Nein

Frage #3
Dein Verein hat die 87-jährige Elisabeth F. beerbt. Muss die Erbschaft schriftlich angenommen werden?

A Ja
B Dies ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt.
C Kommt drauf an, ob es so im Testament verfügt wurde.
D Nein


Für Fortgeschrittene: Erbrechts-Quiz #2

Frage #1
Dein Verein hat gemeinsam mit drei weiteren gemeinnützigen Organisationen geerbt. Zur Erbmasse gehört auch eine Immobilie. Dein Vorstand möchte diese verkaufen, aber die zwei Miterben möchten sie vermieten. Könnt ihr eigenmächtig verkaufen?

A Nein
B Ja

Frage #2
Der ledige Helmut G. hat Deine Stiftung zu seinem Alleinerben bestimmt. Ein Jahr nach seinem Tod meldet sich Karin S., dessen nichteheliche Tochter. Ist sie pflichtteilsberechtigt?

A Nein
B Ja

Frage #3
Die kinderlose Witwe Helga U. hat vor 20 Jahren mit ihrem Mann ein Ehegattentestament gemacht. Darin ist der Neffe des Mannes als Erbe des Letztlebenden eingesetzt. Nun möchte sie aber Deinen Verein als Alleinerbe bedenken. Kann sie neu testieren?

A Ja
B Kommt drauf an
C Ja

Frage #4
Die 92-jährige Liselotte V. hinterlässt nur Schulden. Dein Verein ist Alleinerbe. Könnt ihr die Erbschaft ausschlagen?

A Ja
B Nein