Nachlassfundraising in Corona-Zeiten

Vom vorsichtigen Vortasten zu integrierten Kampagnen

Viele Nachlassfundraiser*innen fragten sich im März:

„Ist es während der Pandemie zu sensibel, ältere Menschen auf ihre Nachlassregelung anzusprechen?“

„Haben Senioren derzeit überhaupt den Kopf dafür frei?“

„Überwiegen Sorgen oder doch der Wunsch, alles beizeiten gut zu regeln?“

„Welche Maßnahmen sollen und können wir durchführen?“

Lies hier unsere Zwischenbilanz:

Heute wissen wir: Die Älteren sind cool geblieben. Eine repräsentative Studie der Universität Leipzig mit Teilnehmer*innen zwischen 65 und 94 Jahren belegt dies. Sie befürworten die Maßnahmen zum Gesundheitsschutz und halten sich persönlich daran. Während des Corona-Lockdowns erwiesen sich die Senior*innen in Deutschland mehrheitlich psychisch stabil.

Nachlassfundraiser*innen haben ein gutes Gespür für ihre Zielgruppe. Sie haben weiterhin aktiv Information und Unterstützung bei der Regelung des letzten Willens angeboten. Die nächste Frage war: Welche Instrumente sind jetzt am besten geeignet? Aus geplanten Vorträgen oder Informationsnachmittagen wurden teils Online-Angebote. Überwiegend verzeichneten sie eine größere Beteiligung als Präsenzveranstaltungen. Die Nachteile: Es entsteht kaum persönlicher Kontakt. Zudem erreichen wir nur die digital Versierten. Denn der digitale Graben unter Deutschlands Senioren ist unverändert groß. Das belegt eine Studie des IT-Branchenverbands Bitkom zur Internetnutzung über 65-jähriger hier zu Lande. Die Befragung wurde im Januar und erneut im Juli 2020 durchgeführt. Das Ergebnis: Die Internetnutzung der über 65-jähringen stieg nur von 48 auf 49%.

Entscheidende Bedeutung kommt dem Follow-Up, Service und der Beziehungspflege zu. Wer Interesse signalisiert und Info-Material erhalten hat, sollte erneut kontaktiert werden. Ein Gruß zum Geburtstag und zu Weihnachten bewirkt, dass die Menschen sich als Person geschätzt fühlen und nicht nur als finanzielle Unterstützer*innen.

Organisationen mit zielgruppengerechten Angeboten und Service berichten seit März von einer gestiegenen Response. Die guten Erfahrungen haben dazu geführt, dass sogar integrierte Kampagnen durchgeführt wurden. Ein Beispiel dafür liefert die UNO- Flüchtlingshilfe. Im September 2020 schaltete sie erstmalig einen TV-Spot, der die Testamentebroschüre anbot. Responsekanäle waren das Telefon und die Website. Flankiert wurde die TV-Kampagne mit On- und Offline PR, einem Online-Vortrag und Reminder-Briefen an frühere Besteller*innen der Broschüre. Mit Erfolg! Im Kampagnenzeitraum stieg die Broschüren-Nachfrage auf über 80% des Gesamtjahres 2019. Ähnlich gut sind die Ergebnisse der Kontakte mit Interessierten.

Das Telefon war und ist das Mittel der Wahl. Quantitativ und qualitativ bringt es hervorragende Ergebnisse: Die Erreichbarkeit war und ist sehr gut, die Menschen haben mehr Zeit für und Lust auf Gespräche. Viele – besonders kinderlose Ältere – bestätigen im Telefonat, dass sie Informationen bei Fragen zur Nachlassregelung wünschen.

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