Offenheit in der Familie tut gut

Familienwanderung Pause Aussicht
Auch wenn´s schwerfällt: Erbschaftsangelegenheiten sollten in der Familie besprochen werden

Streid und Neid

Der Nachlass sorgt in mancher Familie für Konflikte

Offenheit hilft, dass es nicht so weit kommt. Aber das Thema überhaupt anzugehen und dann anzusprechen, ist für viele Menschen nicht leicht.
Im Interview erläutert Monika Willich, seit über 15 Jahren Nachlass-Expertin, was gemeinnützige Organisationen raten können.
Das Interview führte Kerstin Schlick im November 2020.

Welche Bedeutung hat es heutzutage zu Erben?

Alles in allem verfügt die Nachkriegsgeneration über beträchtliche Werte. Und diese Frauen und Männer sind mit ihrem Hab und Gut sorgsam umgegangen. Kinder, Neffen und Nichten stehen längst auf eigenen Beinen, aber erwarten, eines Tages zu erben.

Warum ist der Nachlass überhaupt so ein schwieriges Thema?

Darüber nachzudenken heißt ja auch, sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen. Und wie bei anderen unliebsamen Aufgaben neigen wir dazu, es vor uns herzuschieben…

Was empfiehlst Du Kolleg*innen im Nachlassfundraising, die Testierinteressierte beraten?

Mein Tipp ist: „Sprechen Sie mit Ihren nächsten Angehörigen.“ Vor einem solchen Gespräch rate ich, sich erst einmal einen Überblick über den eigenen Nachlass zu verschaffen. Dann ist zu überlegen, wem man was hinterlassen möchte. Und wer den Nachlass auflösen soll. Das kann sehr aufwändig sein und manchen total überfordern. Anschließend halte ich es für ganz wichtig, sich von eine*m fachkundigen Jurist*in erbrechtlich beraten zu lassen. Am Schluss sollte ein gültiges Testament dabei herauskommen, das beim Amtsgericht verwahrt wird.

Sind Familienfeiern eine gute Gelegenheit, um über´s Vererben zu reden?

„Den“ Rahmen für ein solches Gespräch gibt es nicht. Aber es wird besser nicht zwischen Sonntagsbraten und Vanilleeis geführt. Grundsätzlich finde ich es gut, über sein Leben und dessen Ende zu sprechen. Und darüber, was danach mit dem geschehen soll, was einem am Herzen liegt und was man besitzt. Ein Testament sollte keine Abrechnung sein. Besser ist, dann noch zu Lebzeiten reinen Tisch zu machen – oder es wenigstens zu versuchen.

Es kommt ja häufig vor, dass Angehörige und gleichzeitig gemeinnützige Organisationen im Nachlass bedacht sind. Führt das automatisch zu Konflikten?

Das muss nicht sein. Da habe ich schon einige positive Beispiele erlebt. Nämlich dann, wenn vorher klar darüber gesprochen wird.

Jetzt mal ganz offen: Hast Du eigentlich ein Testament?

Ja, das hab ich vor über 10 Jahren gemacht. Und es ist beim Amtsgericht in Verwahrung. Nachdem ich es dort abgegeben hatte, war ich erleichtert. Übrigens wissen meine Lieben, was drinsteht. Das tut gut.

Offenheit in der Familie tut gut